Geier, Monika: "Neapel sehen"


Krimi
ISBN: 9783886198665

 

Es herrscht eine brütende Sommerhitze rund um Ludwigshafen. Wolfgang, ein Biologe, und Katrina, eine Auszubildende zur Bürokauffrau, arbeiten im Umweltamt.

Wolfgangs Aufgabe ist es, systematisch in der Umgebung eine Bestandsaufnahme durchzuführen, ob Hecken, Gehölzinseln und Saumgesellschaften, die vor einigen Jahren angelegt worden sind, noch existieren oder wie ihr jetziger Umfang ist.

 

Er nimmt sich zu dieser Arbeit Katrina mit, die froh ist aus dem stickigen Umweltamt rauszukommen. Sie führt die Dokumentation, während beide durch das Gelände streifen. Zur Mittagszeit schlägt Wolfgang vor zum Steinbruch zu fahren, der sich ganz in der Nähe befindet. Dort könnten sie baden gehen. Doch dazu kommt es gar nicht erst. Auf dem Weg zum Steinbruch versperrt ein kläffender Hund die Straße. Beide kennen ihn. Es ist Rocco, Aurelies Hund. Sie folgen dem knurrenden und bellenden Hund zu Fuß. Im Steinbruch liegt seine Herrin, tot. Sie muss vom Felsen gestürzt sein (mit oder ohne fremder Hilfe).


An dieser Stelle kommt Hauptkommissarin Bettina Boll zum Zug. Eigentlich wollte sie mit ihrer todkranken Schwester Geburtstag feiern, doch diese ist auf einmal spurlos verschwunden. Nur ein Zettel auf dem Küchentisch deutet an, dass sie sich melden wird und Bettina sich keine Sorgen zu machen braucht. Sie wäre heute Abend wieder da. Na prima. Zum Glück hatte sie wenigstens ihre Medikamente mitgenommen, zum Pech Bettinas Ford.

Bettina Bolls Ermittlungen zu dem Fall (oder Unfall) "Aurelie" gestalten sich schwierig. Es sind keine Spuren, außer Aurelies, in der näheren Umgebung der Unglücksstelle zu erkennen, außerdem hat es geregnet und das erleichtert die Spurensuche nicht gerade.
Aurelie war eine aktive Naturschützerin, gutaussehend, Sport und- Biologielehrerin. Durch Aktienspekulationen konnte sie sich ein schönes Sümmchen auf die Seite legen und kaufte sich ein Haus, welches sie sich sehr ausgewählt einrichten ließ. Aus ihren Tagebüchern, es waren nur die bis 1994 gefunden worden, konnte man erkennen, das sie sich besonders für Leute interessierte, die vom Leben in irgendeiner Hinsicht benachteiligt waren. Das schien sie zu reizen.


Verdächtige gibt es in diesem Fall einige, besonders aber fällt Wolfgang (vom Umweltamt) auf. Er hatte zuerst seine sexuellen Aktivitäten mit Aurelie geleugnet.
Wolfgang ist das Gegenteil vom „Traum aller Frauen“. Er ist dick, pockennarbig und ungepflegt. Schwer vorstellbar das Aurelie sich gerade mit ihm abgegeben hat. Wolfgangs große Videosammlung besteht nicht aus Heimat- und Naturfilmen. Blut muss fließen, das ist das Wichtigste.
Fragen über Fragen stellen sich: Wo sind die restlichen Tagebücher? Was hat es mit der Sauna in Aurelies Haus auf sich und warum befand sich in ihrer Tiefkühltruhe eine Eigenblutkonserve?

Monika Geier, die Autorin, wurde 1970 geboren und lebt in Kaiserslautern. Nach ihrem ersten Krimi „Wie könnt ihr schlafen“, für den sie den deutschen Krimipreis „Marlowe“ erhielt, legt sie nun mit „Neapel sehen“ ihren zweiten literarisch hochwertigen Thriller vor.
Die einzelnen Charaktere der Figuren werden von ihr klar und nachvollziehbar beschrieben. Sie spitzt gekonnt gefährliche Situationen zu um diese im nächsten Moment wieder zu entschärfen. Ein schaurig schöner Krimi der sich gut lesen ließ.


Argument Verlag 2001 Reihe: ariadne krimi (1136)
349 Seiten