Schulte, Michael: "Der Frühstücksdirektor"


Roman
ISBN: 9783423243711

 

Ideen muß man haben

 

Schon früh erkennt Mike, der Roman“held“, dass er, wenn er groß ist, nicht jeden Morgen vor dem ersten Hahnenschrei aus dem Bett springen möchte, sprich er ist ein Spätaufsteher.
Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, grübelt er hin und her, welcher Beruf ihm im späteren Leben die Freiheit lässt, sich seine Zeit so einzuteilen, wie es ihm passt. („...Nachtportier in einem Hotel. Da ist in aller Regel nicht viel los, man hat Zeit zu lesen oder Radio zu hören. Verhaltensforscher käme ebenfalls in Frage, ein Verhaltensforscher, der für seine Untersuchungen ausschließlich Katzen, Fledermäuse, Eulen und andere Nachttiere erwählt. Man ist geradezu verpflichtet, tagsüber zu schlafen, um nachts knallwach zu sein...Allerdings, das habe ich mir fest vorgenommen, werde ich, sobald ich das Abitur habe, jeden Tag nach Einbruch der Dunkelheit Bier trinken, eine Untugend, die die Arbeit des Verhaltensforschers hochgradig erschwert...“)

Nach einigen Überlegungen und Abwägen des Für und Wider kommt Mike an den Punkt, dass er als Autor, die besten Chancen zum Ausschlafen hätte. Und so betritt er den steinigen Weg zur Autorenlaufbahn.
Mit viel Phantasie und Enthusiasmus stürzt er sich an das erste Kapitel seines ersten Romans, es wird verworfen, das nächste erste Kapitel entsteht und so geht es in einem fort bis schließlich die gesammelten Werke von ersten Kapiteln eine ganze Truhe füllen.
Davon kann er schließlich nicht leben. Kleinere Jobs halten ihn über Wasser.


Zwischen dem Schreiben versucht Mike etwas zu erleben, über das er schreiben könnte. Nichts will so recht gelingen.
Mit Melanie führt er eine äußerst harmonische Beziehung, die schriftstellerisch weniger als nichts hergibt. („Entscheidend ist nicht die Frau, sondern das Verhältnis zu ihr, das in meinem Fall aus beruflichen Gründen von exemplarischer Zerrüttung gekennzeichnet sein musste...ich wollte anspruchslose Misshelligkeiten in die Wege leiten, sozusagen als Introduktion zu einer Symphonie des Unfriedens, die in einem furiosen Entzweiungsfinale gipfeln sollte. So gesehen war Melanie, dieser Ausbund an Friedfertigkeit, eine denkbar ungeeignete Partnerin...“)
Nächster Versuch, um eine buchfüllende Story daraus basteln zu können, ist das Wandeln auf kriminellen Pfaden – ein Bankraub soll das Allheilmittel sein. Aber auch hier geht alles viel zu glatt, der Überfall ist nach kürzester Zeit erledigt ohne jegliche Vorkommnisse.

Ob Mike zum Schluss doch noch einen Roman zu Stande bringt und warum das Buch „Der Frühstücksdirektor“ heißt, lohnt sich selbst herauszufinden.

Ich finde, der Roman ist ein kleines feines literarisches Werk. Wer sich auf die Gedankenspielereien des Autors einlässt, kann viel Spaß an diesem Buch haben.
Gekonnt und mit einer Leichtigkeit führt er den Protagonisten durch den Roman. Der Autor spielt mit Phantasien, besser gesagt, sie werden von ihm virtuos umhergewirbelt.
Gefühle werden sichtbar, greifbar.
Die Perfektion mit der Tagträumereien ausgeschmückt und entwickelt werden, finde ich faszinierend. Das Buch durchzieht eine Art von Humor, wie er nicht alltäglich ist und den ich sehr mag. Meine Meinung: auf jeden Fall lesenswert!


„Der Frühstücksdirektor“ von Michael Schulte ist im Deutschen Taschenbuch Verlag München 2004 erschienen. Das Buch umfasst 158 Seiten.